Ich schieb n Film, der keiner ist

Jennifer Rostock – Schlaflos

Ich konnte einfach nicht aufhören zu weinen als ich da im Auto auf dem Beifahrersitz saß, vor meiner Tür und R mich fragte, ob er nun mitkommen solle, oder nach Hause fahren. Ich wusste es nicht. Es war einer der letzten wirklich warmen Augusttage und wir waren mit den Jungs grillen gewesen und C saß hinten auf der Rückbank und wartete geduldig still, bis R ihn nach Hause brachte. In diesem Moment fing die Geschichte an, es war der Moment in dem ich merkte, dass ich mich von einem Toten vom Leben abhalten lasse und trotzdem konnte ich nichts dagegen tun. Ich weiß nicht mehr, ob R dann noch zu mir kam später. Ich weiß nur noch diesen Moment, als ich da saß in sommerlichen Klamotten mit dieser blumigen Sonnenbrille und weinte. Ich würde gerne sagen, dass ich danach mein Leben glücklich gelebt habe, aber so ist es leider nicht. Ich bin alkoholkrank und vegetiere vor mich hin. Dumm gelaufen.

walle walle

Nine Inch Nails – The Hand That Feeds

hoffnungslos. schwerelos treibe ich dahin auf einer wolke aus selbstmitleid. königin des dramas. ach, ist der alte hexenmeister wieder einmal weg gewesen? bedeutungslos. es ist alles gnadenlos.

Kleber

Rammstein – Mein Herz Brennt

Klebrig und zäh ziehen sich die Gedanken durch meinen Kopf, tropfen immer wieder in mein Geradedenkzentrum, verkleben Erinnerungen und Momentaufnahmen. Schnell trocknend, dauerhaft. Wenn er nicht in meinem Kopf wäre, würde ich diesen Klebstoff vermutlich kaufen.

Wer hat eigentlich das Licht ausgemacht?

Nick Cave & The Bad Seeds – The Weeping Song

Immer wieder dieser Moment. Es würde so einfach sein. Diese Tabletten schlucken und adieu, du grausame Welt. Aber ich tu es nicht. Und immer wieder diese Frage: Wieso eigentlich nicht? Mir gehen die Antworten aus. Und dann fällt mein Blick auf dieses Gedicht von Heinrich Heine, welches mir meine Deutschlehrerin kurz vor dem Abitur mal gab.

Das Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang.
Es rührte sie so sehre
Der Sonnenuntergang.

Mein Fräulein! sein Sie munter,
Das ist ein altes Stück;
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten zurück.

Hoffentlich hat er Recht.

Bericht zur Lage der Nation

Nightwish – Bye Bye Beautiful

Mein Kopf funktioniert seit Wochen überhaupt nicht mehr. Der Filter, der Wichtiges vom Unwichtigen trennt, der mir rationale Erklärungen ermöglicht und die Dinge relativiert, ist defekt. Anfrage beim Hersteller: Die Serie wird leider nicht mehr hergestellt, Reparatur wird wohl sehr zeitintensiv, eventuell auch mit Kosten verbunden. Ich will nicht mehr zum Psychologen. Ich war Jahrelang immer wieder dort und habe nicht das Gefühl, dass mir das irgendwie geholfen hat – vielleicht ist es klassisch sich das einzureden, aber jeder Schritt, den ich nach vorne ging, den bin ich selber gegangen. Diese ganze Geh-doch-mal-wieder-nach-Klappsgarden-Gerede erzeugt bei mir seit geraumer Zeit nur noch Augenrollen, ich bin austherapiert, da ist nix mehr zu machen. Keine Gespräche mehr, keine Pillen mehr. Ich bin fertig.

Aber wenn es so, wie es ist, nicht ertragbar ist, nicht richtig ist, und ein Gang zur Fachkraft keine Besserung bringt, was tut man dann? Man betrinkt sich, versinkt in Selbstmitleid und hofft, dass es irgendwann wieder weggeht. Immer wieder. Bis es irgendwann knallt, weil die Mitmenschen sich das Elend nicht mehr ansehen können. Und das kann nicht mehr lange dauern, weil dieser defekte Filter in meinem Kopf dafür sorgt, dass ich nahezu täglich einen Nervenzusammenbruch erleide, oder kurz davor stehe: die Wahl des Internetanbieters, die Wahl einer Joghurtsorte, die Planung des bevorstehenden Umzugs, alles fühlt gleich, alles fühlt sich an wie weltunter.

Aus dem Off – eine Mordfantasie

Placebo – Special Needs

Irgendwann war es als erwachte ich aus einem richtig bösem Alptraum und alles was ich sah war weiß. Keine Ahnung, was ich erwartet hatte, ob ich überhaupt irgendwas gedacht habe vorher, aber das war irgendwie ernüchternd. Ich weiß nicht wie lange das her ist. Ich starrte in einen weißen Raum, aber nicht die Art Raum wie sie in Häusern sind, ich meine, da waren keine Wände oder so, nicht wirklich. Und es blieb auch nicht dabei. Ich wurde von irgendetwas Unsichtbarem geschoben, aber nicht von einem Ort zum nächsten, sondern irgendwie zeitlich, nicht so rechts oder links oder so. Das scheint es hier gar nicht zu geben. Oh man. Hier wirkt alles so leicht und selbst-
verständlich, aber wenn man das jemandem erklären will, ist es echt schwierig, stelle ich gerade fest. Also dieses weiß ist auch manchmal grün und dann ist da ein Wald oder es taucht eine Straße auf, ein Haus oder ich bin plötzlich in einem Zimmer drin und manchmal höre ich auch Stimmen oder Vögel, aber so, als wären sie unter Wasser. Also, ich meine nicht, dass sich das hier nach ertrinkenden Vögeln anhört, ihr wisst schon! Das ist der Anfang glaube ich. Obgleich gestern hier auch heute sein könnte oder Morgen, mit Logik haben die es hier irgendwie nicht so. Ich behaupte einfach, dass es Tag eins war, falls heute doch erst Morgen ist, kann ich das ja gestern noch nicht wissen. Ich schwebte oder lag in diesem leeren weißen Irgendwas stunden- oder sekundenlang und hörte nichts, bis plötzlich dieses Rauschen irre laut über mich hinweg raste wie ein Sturm und dann erneute Stille hinterließ. Das wiederholte sich um die fünfmal. Während ich noch überlegte, was es sein könnte, verstärkte sich das Geräusch, wurde deutlicher und dann fiel es mir ein: es war das Geräusch von LKW wenn sie über die Autobahn fahren. Ich stand auf einer Brücke, die über die Straße führte und spuckte hinunter auf die fahrenden Autos und die LKW rasten mit verboten schneller Geschwindigkeit unter mir hindurch und machten dieses Geräusch und ich hatte Angst, die Brücke würde gleich einstürzen. Dann wehte der Wind mir meine Mütze herunter und ließ sie, nach einem kurzen Tanz in der Luft, auf die Straße fallen, wo sie sofort von den Autos überfahren wurde. Ich starrte hinunter, wo der kleine rosane Fleck immer dunkler wurde und der Wind schwieg, als hätte er heute nur diese eine Aufgabe zu erledigen gehabt. Dann kletterte ich auf das Geländer und sprang. Ein roter Fleck, neben einem rosa-grauen. Ich glaube, das war ziemlich eklig.

Jahrmarkt

Red Hot Chili Peppers – The Otherside

Ohne diese halblegalen Substanzen kann ich nicht schlafen. Und heute klappt es nicht mal mit denen. Ich bin müde, aber hellwach. In meinem Kopf ist Kirmes, um mich herum schwere Stille, schwere Dunkelheit. Ich liege da und kann nicht mal an die Decke starren, weil letzteres diese versteckt. Die Kirmes schließen kann ich auch nicht, ist noch zu viel los. Zu viele Besucher, die am Karussell anstehen und daher viele potenzielle Eintrittsgelder. Wirtschaftlich unklug. Also was tun? Vielleicht geh ich doch hin. Am Getränkestand ist heute Wein im Angebot.